Der Tag
Rauf, wo Schluss ist – und auf demselben Weg zurück
Heute holen wir uns das Prunkstück der Woche: den Colle del Sommeiller, mit rund 2.995 m der höchste legal mit einem Motorfahrzeug erreichbare Punkt der Alpen. Er ist eine reine Stichstraße – wir fahren das Rochemolles-Tal von Bardonecchia hinauf und auf exakt derselben Piste wieder zurück; auf der französischen Seite gibt es keine Fahrstraße, nur einen Wanderpfad ins Vallon d'Ambin. Weiter geht es also nicht, und es wäre wegen des französischen Offroad-Verbots (Loi Lalonde) auch nicht erlaubt. Wir starten früh: hin und zurück sind es rund 56 km, davon etwa 43 km Schotter und rund 1.860 Höhenmeter, dazu wollen wir Zeit für Fotos und die Einkehr – realistisch ein Tagesbudget von 5 bis 6 Stunden.
Die ersten sieben Kilometer ab Bardonecchia sind schmaler, unübersichtlicher Asphalt (SP 235) durch den Lärchenwald ins Tal – Gegenverkehr einplanen. Im Bergweiler Rochemolles (1.619 m, keine 15 Einwohner, Kirche San Pietro Apostolo von 1456) steht unmittelbar oberhalb des Dorfes das Mauthäuschen, die „Casetta". Hier zahlen wir den Instandhaltungsbeitrag – nur Bargeld, kassiert von der Vereinigung Asso Agri Rochemolles, Quittung mit Kennzeichen. Ab hier wird es Schotter. Bei km 11 taucht die Diga di Rochemolles auf: eine 60 m hohe Gewichtsstaumauer, 1924–1930 von den Staatsbahnen für den Bahnstrom der Linie Turin–Modane gebaut; das Baumaterial kam damals über eine Decauville-Schmalspurbahn herauf. Der Stausee mit seinen rund 3,7 Mio. m³ speist bis heute das Kraftwerk „Mario Celso" – erster echter Fotostopp mit Mauer und Lärchen.
Über die Almflächen erreichen wir das Talschluss-Plateau Grange du Fond mit dem Rifugio Scarfiotti (2.165 m). Die Hütte des CAI Torino wurde 1923 gestiftet und 2025 komplett saniert – ideale Rast, aber wir heben uns das Mittagessen für den Rückweg auf. Wer mag, läuft in 10–15 Minuten hinter die Hütte zur Cascata della Rognosa. Das im YouTube-Enduro-Milieu kursierende „Vodopad" ist übrigens kein Ortsname, sondern schlicht das slawische Wort für Wasserfall – gemeint ist dieser Sturz. Hinter Scarfiotti beginnt der Ernst: die berüchtigte Kehrenwand (Alpenrouten zählt 16 Kehren im Schlussteil, SG 4) zieht in Serpentinen die Steilstufe hoch, von hier fällt der Blick auf einen zweiten Wasserfall an der Wand.
Oben wartet das karge Hochplateau Pian dei Morti (~2.800 m) mit mehreren Bachfurten, dann die Schlussrampe: grobes, loses Geröll, Fels, teils ausgewaschen, nur zwei bis drei Meter breit – der fahrtechnisch anspruchsvollste Abschnitt, bei Nässe deutlich giftiger. Am Pass selbst liegen der kleine Gletschersee, seit 2022 ein neues Biwak und der Grenzstein Italien/Frankreich. Eine Holzbarriere sperrt die letzten Meter zum früheren höchsten Punkt (~3.005 m, von der Tourismusseite als „3.009 m" beworben) – dort standen bis in die 1980er die Lifte eines Sommerskigebiets auf dem Sommeiller-Gletscher; das zugehörige Hotel zerstörte im Winter 1968/69 eine Lawine, der Rest fiel dem Gletscherschwund zum Opfer. Mit großen Reiseenduros ist das machbar, grobstollige Reifen und Fahrwerksreserven vorausgesetzt.
Fahrplan
Stationen
-
08:30
Start Bardonecchia (1.312 m)
Tanken! Keine Tankstelle im Rochemolles-Tal. -
09:00
Rochemolles-Dorf (1.619 m)
Bergdorf, Kirche von 1456; Maut an der Casetta – nur bar. -
09:30
Diga di Rochemolles (~1.975 m)
60-m-Staumauer (1924–1930), Stausee – Fotostopp. -
10:15
Rifugio Scarfiotti (2.165 m)
Kurzer Halt; optional 15 min zu Fuß zur Cascata della Rognosa („Vodopad"). -
10:45
Kehrenwand (16 Kehren, SG 4)
Wasserfallblick, Geröllpassagen. -
11:30
Pian dei Morti (~2.800 m)
Hochplateau, mehrere Furten. -
12:00
Colle del Sommeiller (2.995 m)
Gletschersee, Biwak (2022), Grenzstein F/I; Holzbarriere am Alt-Endpunkt ~3.005 m – keine Weiterfahrt nach Frankreich. -
13:30
Zurück am Rifugio Scarfiotti
Mittagessen (geöffnet 24.06.–30.09.2026). -
15:30
Zurück in Bardonecchia
Reserve für Fotostopps und Pannen (18:00-Regel beachten!).
Bilder
Galerie
Gut zu wissen
- Sperrtage: Vom 1.7.–30.9. ist die Piste an allen Dienstagen und Donnerstagen ganztägig (0–24 h) gesperrt. Unser Montag ist offen. An den übrigen Tagen Befahrung nur 8:30–18:00 Uhr gegen Maut (Ordinanza N. 100 vom 08.09.2025).
- Maut: nur Bargeld an der Casetta oberhalb Rochemolles (Asso Agri Rochemolles). 2025 waren es 8 €/Fahrzeug, bardonecchia.it nennt für 2026 „10,00 € (solo contanti)" – vermutlich Erhöhung, also genug Bargeld mitnehmen. Quittung mit Kennzeichen. Es gibt kein Online-Ticket, keine Slot- oder Ampelregelung.
- Saison / Schnee: offen 1.5.–30.11., witterungsabhängig. 2026 lief am 26.06. noch die Schneeräumung, die Öffnung galt als „unmittelbar bevorstehend" – exaktes Öffnungsdatum unbestätigt, vor Anreise beim Tourismusbüro prüfen (+39 0122 99032).
- Tanken & Einkehr: vor der Abfahrt in Bardonecchia tanken (keine Tankstelle im Tal). Einzige Einkehr an der Strecke ist das Rifugio Scarfiotti (2.165 m), Saison 2026 geöffnet 24.06.–30.09.; im Dorf zusätzlich das Chalet della Guida.
- Wetter & Zeit: am Pass auch im August oft nur 5–10 °C – warm anziehen, Wetterumschwung einplanen. Letzte Bergfahrt/Bergung wegen der 18:00-Regel: Rückweg nicht zu spät antreten.
- Nur diese Piste: Stichstraße – gleiche Strecke zurück; Bergfahrer haben faktisch Vorrang, dazu viele Mountainbiker und Wanderer – Rücksicht. Alle nicht in der Ordinanza gelisteten Pisten (u. a. Percorso 3 Bivio Sommeiller–Val Fredda und Percorso 6 Rochemolles–Croce Chabriere) sind gesperrt (L.R. 32/82) – nicht hineinfahren.
- Grenze: Der Pass liegt auf der Grenze Italien/Frankreich, auf französischer Seite gibt es keine Fahrstraße – keine Weiterfahrt (Offroad-Verbot, Loi Lalonde).
- Schlechtwetter-Joker: Ein Tausch mit Tag 6 ist möglich – der Sommeiller ist auch freitags offen. Nicht tauschbar mit Tag 4 (Jafferau, einziger Mittwoch).
Stand Juli 2026 (Ordinanza 100/2025) – vor Abfahrt prüfen: bardonecchia.it, +39 0122 99032.